Wer kennt ihn nicht aus dem Fernsehen, den engagierten Mahner vor einer Klimakatastrophe, der dabei immer noch einen Funken Hoffnung hat:  Mojib Latif, Meteorologe und Experte für Ozeanzirkulation und Klimadynamik.  Professor am Geomar in Kiel mit Wurzeln in Hamburg.

Auf Einladung der Initiative „Bürger für Klimaschutz in Bargteheide“ kommt Professor Latif am Freitag, 3. Februar,  20 Uhr, zu einem Vortrag ins Stadthaus (Am Markt 4):  „Nach uns die Sintflut? Herausforderung Klimawandel!“  lautet der Titel.  

Die Veranstaltung beginnt bereits um 19.30 Uhr. Vorab wird Wolfgang Apel, Sprecher der Klima-Initiative,  die Arbeit des überparteilichen Bündnisses vorstellen.   

Mojib Latif gehört zu Deutschlands Topklimaexperten. Er hat an  den Berichten des Weltklimarats 2001 und 2007 mitgeschrieben. Anhand von Modellen wurde dafür die mögliche Temperaturentwicklung bis zum Ende des Jahrhunderts errechnet. Wobei sowohl kurzfristige natürliche Klimaschwankungen als auch der langfristig von Menschen gemachte Erwärmungstrend eingerechnet wurde. Die Modelle sind nicht unumstritten.

Eindeutig sind dagegen die Veränderungen: Hitzewellen, Überschwemmungen, Starkregen, Orkane – „eine Naturkatastrophe kommt und geht. Sie ist schnell wieder vorbei und vergessen“, protokolliert Latif ernüchtert und kritisiert wie andere Experten auch die Untätigkeit der Politik im Kampf gegen den Klimawandel.  „Der CO2-Ausstoß ist in den vergangenen Jahren explodiert“, so Latif, und nicht einmal der Klimagipfel von Durban im Dezember 2011 habe die Welt im Kampf gegen die Erderwärmung vorangebracht.

Jetzt will er weg von der Verzichtsdebatte, weg von der Fokussierung auf ein CO2-Reduktionsziel. „Wir müssen die Chancen darstellen anstatt der Risiken“, sagt er. Letztendlich sei das Klimaproblem ein Energieproblem. „Wenn wir die Energiefrage lösen, lösen wir automatisch das Klimaproblem“, sagt Latif und setzt auf den schnellen Ausbau der erneuerbaren Energien.

Die Ausstellung war klein, aber sympathisch. Durch die Stände wurden abgedeckt: Fördermöglichkeiten (Sparkasse), ein Innendämm-System mit Feuchtigkeitsregulierung, Schimmelvermeidung, Windenergie und eine neue, kompakte Art der Ölheizung. Ca. 30 Bürgerinnen und Bürger waren gekommen.

Der Vortrag wurde gehalten von einem Vertreter der ZEBAU GmbH (Zentrum für Energie, Bauen, Architektur und Umwelt, Hamburg, www.zebau.de) und zeigte in gut verständlicher Form die verschiedenen Möglichkeiten, CO2 und Energiekosten zu sparen, alles auf der Basis eines Einfamilienhauses von 1930, an dem noch nichts gemacht ist: Wärmedämmung Dach / Wände / Fenster, Türen / Zwischendecken, neue Heizung, Ausstattung mit erneuerbaren Energien, Austausch von Haushaltsgeräten und energiesparendes Verhalten. Das Verhältnis Investition vs. Einsparung wurde benannt.

An der Modernisierungskampagne beteiligt sind neben der ZEBAU die Verbraucherzentrale Schleswig-Holstein, der Regionalverband Umweltberatung Nord e.V., das IWO Institut für Wärme und Oeltechnik e.V., ein Architekturbüro Weyers, die Sparkasse Holstein und etliche Betriebe.

Am 30.11., 15:30 Uhr, gab es eine Folgeveranstaltung “Energie und Klimaschutz – Hohe Förderquoten für Kommunen – Förderinformationen für 2012 und erfolgreiche Antragsbeispiele”, ebenfalls im Kreissitzungssaal. Auf der Tagesordnung stand unter anderem ein Vortrag der Klimamanagerin der Stadt Bargteheide, Ulrike Lenz: “Klimaschutz (65%) und Modernisierung der Straßenbeleuchtung in Bargteheide”.

Die Veranstaltung kann von Kreisen und Städten gebucht werden. 2012 sind z.B. Norderstedt und Reinbek dran. Bargteheide ist eigentlich ein bisschen zu klein, aber bei rechtzeitiger Anmeldung würden sie wohl auch zu uns kommen.

Fazit: Gemessen an dem Aufwand, den eine solche Veranstaltung bedeutet, sind 30 Personen wenig. Es waren wohl nur die, die tatsächlich schon was planen. Wenn wir die Hausbesitzer von 0 auf Action mobilisieren wollen, sollten wir gut planen und mehrstufig dran gehen.

Der aktuelle Stand der Klimapolitik in Bargteheide ist etwas eingetrübt. Unsere Vorschläge, dem Internationalen Klimabündnis beizutreten und für die Bargteheider Klima-Ambitionen nicht bloß weiche Ziele zu setzen, wurden im Lenkungsausschuss lediglich zur Kenntnis genommen. Immerhin will die Firma CDM, die für ein Honorar von rund 60.000 Euro am Bargteheider Klimakonzept arbeitet, bis Weihnachten Machbarkeitsangaben zu verschiedenen Maßnahmen aus dem Einwohner-Forum vom 7. November machen und später ihre Berechnungsgrundlagen offenlegen. Eine eigene Rückmeldeaktion für die Bürger ist derzeit nicht in der Planung. In der Lenkungsgruppe zum Klimaschutzkonzept hat ein Wechsel in der Leitung von Herrn Harmuth (CDU) zu Jürgen Weingärtner (SPD) stattgefunden. Im Budgetansatz für 2012 zum Klimaschutz werden wohl Einschnitte hingenommen werden müssen.

Da die Idee einer genossenschaftlichen Bürgersolaranlage seit Monaten nicht vorankommt (zumal von den Dächern, die der Stadt gehören, nur das Dach der Anne-Frank-Schule als einigermaßen geeignet angesehen wird) und auch das Genossenschaftskonzept der Raiffeisenbank nur eine Rendite von 1% in Aussicht stellt, unterstützt die Klimainitiative fortan das Konzept von wir-machen-solar.de. Peter Heßbrüggen stellte das Konzept seines Unternehmens vor, das neben einem finanziellen Profit für alle Beteiligten (es können sowohl Gewerbebetriebe, Privatleute als auch Genossenschaften teilnehmen) eben auch einen großen Gewinn für die Umwelt vorsieht. Dennoch halten wir fest: Noch vor Fotovoltaik und Solarthermie ist Dämmung die wirtschaftlichste und effektivste Möglichkeit, Energie zu sparen.

Schließlich diskutierten wir noch über verschiedene Projekte: Am 3. Februar kommt der international bekannte Klimaforscher Mojib Latif zu einem Vortrag nach Bargteheide! Außerdem wollen wir uns bemühen, über so genannte Eisheizungen zu informieren und eine Informationsveranstaltung der Hamburger Firma Zebau zur Hausmodernisierung zu uns zu holen.

Das nächste Ini-Treffen findet am 16. Januar 2012 um 19:30 im Einstein statt.

RKastner

Nächstes Treffen am 28. November

Das nächste Treffen der Klimaschützer_innen findet statt am Montag, 28. November, 19.30 Uhr, Einstein (Am Markt)
Im kommenden Jahr, am Freitag, 3. Februar 2012, wird der Klimaforscher Mojib Latif auf Einladung der Klimaschutzinitiative einen Vortrag in Bargteheide halten. Wir müssen die Vorbereitung dafür planen. Weiteres Thema: Bürgersolar-Offensive in Bargteheide.

RKastner

Online-Portal zum Klimawandel

Der Deutsche Wetterdienst (DWD) zeigt mit einem neuen Onlineportal die Klimaveränderungen der vergangenen und kommenden Jahrzehnte auf. Im “Klimaatlas” seien die Daten des DWD sowie Prognosen grafisch aufbereitet und vergleichbar, sagte der Leiter der Abteilung Klimaüberwachung, Klaus-Jürgen Schreiber. Die Nutzer können Daten beispielsweise zu Temperatur, Regen und Vegetationsbeginn abrufen und mit Werten aus den vergangenen 130 Jahren abgleichen. Zudem sind 21 Prognosen renommierter Forschungsinstitute aus aller Welt in eine Simulation eingeflossen, mit der wahrscheinliche Klimaveränderungen bis zum Jahr 2100 abzulesen sind.

www.deutscher-klimaatlas.de

TFischer

Wir sind bestens vorbereitet

Im heutigen “Hamburger Abendblatt” findet sich ein großes Interview mit unserer neuen Klimaschutzbeauftragten Frau Lenz, worin sie ihre Arbeit beschreibt und ihre Pläne verrät. Sie will die Bürger informieren und positive Anreize schaffen, damit es in der Stadt heißt: “Wir machen ein cooles Leuchtturmprojekt für Stormarn!” Im November etwa soll eine “Klimawerkstatt” für alle Interessierte stattfinden.

Und auch über uns findet Frau Lenz positive Worte: “Es gibt selten Kommunen, in denen das Thema Klimaschutz von Bürgern schon so gut aufgestellt ist.”

Erst seit wenigen Tagen im Amt, hat Bargteheides erste Klimamanagerin sich Ende Juni bei unserer Klimainitiative vorgestellt:

Ulrike Lenz Juni 2011

Ulrike Lenz ist gelernte Zimmerin und Bauingenieurin, wohnt in Ahrensburg und hat vorher in Berlin gearbeitet. Mit einer halben Stelle, befristet auf zwei Jahre, ist sie im Bau- und Planungsamt der Stadt angestellt. Neben der Arbeit für das Klimakonzept kümmert sie sich auch um diverse Hochbau-Angelegenheiten. Ihre Hauptaufgabe in der nächsten Zeit wird sein, all die Daten zu ermitteln, die erforderlich sind, damit das Bargteheider Klimakonzept passgenau erarbeitet werden kann.

Wir wünschen ihr viel Erfolg und heißen sie ganz herzlich willkommen!

Die Initiative „Bürger für Klimaschutz in Bargteheide“  hat gleich nach ihrer Gründung am 3. März 2010 für einen Einwohnerantrag gekämpft und gemeinsam mit den Grünen im April/Mai Unterschriften gesammelt:  Die Stadtvertreter wurden aufgefordert, einen Antrag für ein Klimaschutzkonzept für Bargteheide zu stellen. Dazu hat die Initiative einen Flyer entworfen, drucken lassen  und an 5000 Haushalte in der Stadt verteilt. Eine Mammutaufgabe, an der viele Mitglieder beteiligt waren.

Der Einwohnerantrag war erfolgreich. Die Fraktionen von CDU, SPD und WfB haben ihn inhaltlich übernommen und in der Sitzung des Energieausschusses am 24. September 2010 beschlossen.

Danach wurde ein Lenkungsausschuss eingesetzt, in dem Vertreter der Kommunalpolitik und Bürgerinnen und Bürger beteiligt sind. Für die Initiative begleitet Wolfgang Apel die Erstellung des Konzepts.

Der Antrag für ein integriertes Klimaschutzkonzept ist im März 2011 durch den Projektträger Jülich genehmigt worden. Eine Förderung in Höhe von 65 Prozent (ca. 38.000 €) ist zugesagt. Parallel dazu hat die Stadt eine  halbe Stelle für eine/n Energiemanager/in im Stellenplan aufgenommen.

An dieser Stelle dankt das Sprecherteam allen Beteiligten, den aktiven Bürgern der Unterschriftenaktion, den Mitgliedern der Initiative für ihren tollen Einsatz, den Parteien und Ausschüssen und der Stadtverwaltung, namentlich Bürgermeister Henning Görtz und Kämmerer Joachim Teschke für ihre offenen Ohren und letztlich die Unterstützung unserer Anliegen.

Was haben wir noch gemacht?

  • Eine Satzung und unsere Zielerklärung erarbeitet    (April 2010)
  • Webauftritt  www.klimaschutz-bargteheide.de eingerichtet und gepflegt. Ein großer Dank dafür an Thomas Fischer.
  • Unterschriftenaktion und Info-Stand auf dem Stadtfest im Mai
  • Vorbereitung der Regionalen Klimakonferenz Stormarn. Die fand im November in Bad Oldesloe statt.   Nachbereitungstreffen im Februar 2011
  • Intensive Öffentlichkeitsarbeit durch Ruth Kastner und Jens Peter Meier.
  • Teilnahme an Lenkungsausschuss und Energieausschuss. Dort konnten wir immer wieder konstruktive Beiträge und Hinweise geben.
  • Vorträge organisiert und dazu Plakate gedruckt und aufgestellt.

 

Dank der Verbindungen von Cornelia Schoska konnten wir den renommierten Klimaforscher Prof. Hartmut Graßl zu einem Vortrag am 1. Dezember 2010 nach Bargteheide einladen.

Über LED-Leuchtmittel (GreenLight) informierte Jörn Weikunat am 8. Februar 2011 auf einer gut besuchten Veranstaltung im Stadthaus.

Eine Energie-Fahrradtour im Rahmen des Energietags vom Kreis im April 2011 führte die Teilnehmer zu einer Photovoltaikanlage, zu einem neuen Passivhaus und der Pilotanlange eines Micro-BHKW mit Sterlingmotor.

Seit ihrer Gründung im März 2010 ist die Initiative auf 40 Mitglieder angewachsen. Es gibt einen harten Kern von etwa zehn Personen, die durchgängig aktiv sind. 

Alle Aktivitäten wurden ehrenamtlich erbracht. Auch finanziell haben sich die Mitglieder engagiert, indem sie rund 500 Euro aus eigener Tasche beigesteuert haben – um Plakate und Flyer klimaneutral drucken zu lassen, Plakatständer zu kaufen etc.

Die Initiative hat sich 12 Mal getroffen (März 2010 – April 2011)

Wir haben also viel geschafft im ersten Jahr. Aber wir wollen ja mehr:

  • die Umsetzung des Klimaschutzkkonzeptes begleiten
  • Weitere Vorträge organisieren und
  • Viele aktive Einzelaktionen zum Klimaschutz durchführen

 

Eure Ideen sind gefragt!!!!

Bargteheide im April 2011

das Sprecherteam

Cornelia Schoska     Wolfgang Apel     Horst Loebus     Ruth Kastner

116.000 Hamburgerinnen und Hamburger sind mit ihrer Unterschrift dafür eingetreten, dass die Stadt ihr Stromnetz von den Konzernen Vattenfall und E.on zurück kauft.

Vom 2. bis zum 22. Juni sammelte die Bürgerinitiative “Unser Hamburg unser Netz” insgesamt 116.197 Unterschriften (mindestens notwendig waren 62.000). Unterstützt wurde die Initiative von zahlreichen Künstlern, Musikern, Schauspielern, Politikern und anderen Prominenten. Ziel: Hamburg soll den genannten Stromkonzernen ab 2015 den Stromnetzbetrieb wieder aus der Hand nehmen und außerdem ein zukunftsfähiges Energiekonzept entwickeln. Nach dem Erfolg der Unterschriftenaktion wird voraussichtlich bei der Bundestagswahl 2013 gleichzeitig ein Volksentscheid durchgeführt. Mehr dazu auf den Seiten der Bürgerinitiative.

Henning Voscherau unterschreibt

Henning Voscherau unterschreibt (Quelle: Website der Bürgerinitiative)

Zum Hintergrund: Vermutlich ist der Betrieb eines Stromnetzes allein nicht übermäßig profitabel. (Es sei denn, man lässt die Pflege und die Reparaturen verkümmern, aber das rächt sich dann ja auch irgendwann.) Viel wichtiger ist wahrscheinlich der Informationsgewinn. Der Stromnetz-Betreiber weiß genau, welcher Privathaushalt und welches Großunternehmen zu welcher Tages- und Jahreszeit wieviel Strom verbraucht und welche Stromanbieter (Konkurrenten) wann und wo ihren Strom hinleiten. So kann man dann gezielte Angebote machen oder für sich selbst günstigere Konditionen heraushandeln. Leider, leider sind die Stromnetz-Betreiber nicht verpflichtet, ihre Informationen detailliert offenzulegen. Daher weiß keine Kommune, die ihre Netzkonzession abgegeben hat, welchen Geldwert das Netz noch hat, wo es besonders reparaturbedürftig ist, wie und wann und wohin der Strom fließt.

So ist es auch bei uns in Bargteheide. Weil die Kommune nicht besonders viel von E.on erfährt, weiß sie auch nicht, ob das öffentliche Wohl der Stromversorgung bei ihrem Konzessionisten in guten Händen ist oder nicht. Möglicherweise ist E.on ja ein verlässlicher, umsichtiger Partner. Aber weil wir nicht raten wollen, sondern wissen, will die Klimainitiative erreichen, dass die Stadt ihr Stromnetz wieder selbst betreibt und somit vom E.on-Konzern unabhängig agieren kann.

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